Orang Utan Tour Kalimantan


Home, Indonesien, Reise / Samstag, September 22nd, 2018

Weil wir in Kalimantan (dem indonesischen Teil der Insel Borneo) spät ankommen, bleiben wir die erste Nacht im Hotel. Wir übernachten in Pangkalan Bun, einer Stadt im Südwesten der Insel. Der Ort ist nicht besonders spannend, allerdings starten von hier die Touren in den Nationalpark. Gleich am nächsten Tag geht’s los. Wir werden direkt vom Hotel abgeholt, unser Guide ist eine Frau. Sie nennt sich Ipung, ist superfreundlich und hilfsbereit und sie spricht gut Englisch. Wir haben wirklich Glück mit ihr! Mit zwei Autos fahren wir zum Fluß Kumai, wo das Boot liegt. Es ist ein 13 Meter langes Holzboot, gelb und grün und für die nächsten 48 Stunden unser Zuhause. Ich bin glücklich und voller Vorfreude, endlich die Orang Utans in freier Wildbahn zu erleben! Mit einer 4-köpfigen Crew – Guide, Koch, Kapitän und Assistent – legen wir los. Die kids sind megaaufgeregt und hüpfen am Boot herum. Leider gibt es das erste Bier erst am Abend. Dieser Teil von Indonesien ist stark muslimisch, Alkohol ist Mangelware.

Ziemlich bald zweigen wir vom großen Fluß Kumai in einen Seitenarm, den Sekonyer ab. Der Fluß wird enger, wir tauchen immer weiter in den Urwald ein. Bald gibt es unser erstes Essen an Board. Es ist fantastisch und auch den Kindern schmeckt es. Wir sind überrascht, was der Koch in der Miniküche im Rumpf des Schiffes zaubern kann. Danach legen wir an. Es geht zur ersten Fütterungsstelle der Orang Utans. Am Weg dorthin pflanzen die kids noch einen Baum. Da die Regierung so viel Primärwald zerstört hat, können Besucher des Nationalparks Jungbäume pflanzen. So soll der Urwald als Lebensraum für die Primaten wieder zurückgewonnen werden. Ob es mehr als einen symbolischen Charakter hat, weiß ich nicht. Bei der ersten Fütterungsstelle kommen zwei Orang Utans. Sie sind echt coole Tiere, sehr ähnlich den Menschen. Angeblich stimmen 97% der DNA überein. Zuerst bin ich ein bisschen enttäuscht von den Fütterungen. Sie legen den Orang Utans die Bananen hin, damit Leute aus dem Westen viel Geld zahlen, diese Tiere zu erleben. Es hat irgendwie Zoocharakter. Wir wandern wieder durch den Wald zum Fluss zurück. Jedes Mal, wenn wir nach einem Ausflug wieder aufs Boot kommen, bekommen wir gut riechende kleine Handtücher, um uns Gesicht und Hände zu waschen. Dazu gibt’s snacks und cold drinks. Wir fühlen uns sehr wohl. Es geht weiter zu einer Stelle, wo wir Nasenaffen auf den Bäumen rumturnen sehen. Dann legen wir wieder an. Es geht los zur Nachtwanderung. Mittlerweile ist es stockdunkel. In Borneo wird es nochmal früher finster als im Rest von Indonesien. Um 17:45 ist es schwarze Nacht. Dafür wird es auch wieder früher hell… Zusätzlich zu unserem Guide begleitet uns ein Ranger auf die Nachtwanderung. Hintereinader stapfen wir mit Stirnlampen und Taschenlampen bewaffnet durch den Urwald. Ehrlich gesagt ist mir schon ein bissl mulmig zumute. Ziemlich oft raschelt es neben uns. Immer wieder mal taucht im Lichtkegel der Taschenlampe ein seltener Vogel oder eine Spinne auf. Und dann entdeckt Ipung direkt über mir im Baum hängend einen Orang Utan. Das ist echt überwältigend und nicht zu vergleichen mit den Tieren an den Fütterungsstellen. Wir sind froh, das erleben zu können.

Zurück am Boot gibt’s Dinner. Danach werden unsere „Betten“ gerichtet und wir schlafen alle fünf an Deck des Bootes unter Mosquito-Netzen. Es wackelt weniger als ich befürchetet habe und ist Abenteuer pur. Am nächsten morgen sind wir schon um fünf Uhr oder ähnliches wach. Ich bin komplett gerädert, aber hier startet das Leben einfach früher. Um halb sieben startet der Captain bereits den Motor und wir fahren den Fluß hinab zu weiteren Fütterungsstellen.

Bei der ersten sind wir viel näher an den Tieren dran als am Vortag. Vor allem die Mutter-Tiere kommen mit ihren Kleinen und holen sich Bananen. Orang Utans leben bis sie 15 Jahre alt sind bei den Müttern. Dann sind sie selbstständig und leben alleine. Die Väter sind in der Regel unbekannt und spielen keine große Rolle.

Insgesamt leben im Nationalpark Tanjung Puting rund 6300 Orang Utans. Eigentlich sind es zu viele für die Fläche. Deshalb werden immer wieder mal Tiere in ein anderes Gebiet ausgesiedelt. Denn erst seit kurzem brennt die Regierung hier keinen Regenwald mehr ab. Sie ist draufgekommen, dass sich auch mit Touristen und den Orang Utans Geld verdienen lässt. Zwischen den Orang Utan- Treffen machen wir entweder Wanderungen durch den Dschungel oder fahren mit dem Boot durch die wunderbare Landschaft. Am Boot zu sitzen, zu relaxen und einfach nur ins Grüne zu schauen, um Tiere zu entdecken ist so entspannend. Immer wieder tauchen am Ufer Affen, Vögel, und ganz selten sogar ein Orang Utan auf. Krokodile sehen wir keine, dafür eine Wasserschlange.

Bei der Fütterung am Nachmittag kommen zuerst gar keine Tiere. Ipung meint, es ist zu heiß, die Orang Utans wären einfach zu faul. Außerdem hat gerade eine Frucht Saison, die sie gerne fressen. Das heißt, der Hunger treibt sie auch nicht zu den Futterstellen. Die Nationalpark-Wärter locken die Tiere, in dem sie ihr Rufen imitieren. Diesmal gibt es kein Obst, sondern Kübel mit Kuhmilch. Nach einer Weile tauchen ein Tier nach dem anderen auf. Auch viele Kinder und Teenager. Sie streiten sogar um die Milch. Die Orang Utans liefern eine Show ab auf der Bühne. Ein paar junge verirren sich auch zu uns Besuchern und turnen über uns herum. Wir finden’s spannend, die Wärter sind eher beunruhigt.

Wir verbringen eine weitere Nacht auf dem Boot. Am Abend und in der Früh wird immer der Generator angeworfen. Dann gibts Strom und wir können duschen und unsere Handys aufladen. Diesmal legt die Crew das Boot für die Nacht neben einem Palmenwald an. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich Glühwürmchen in Hülle und Fülle. Sie sitzen auf den Palmen… es glitzert wie zu Weihnachten!

Am nächsten Tag müssen wir recht bald vom Boot. Ipung ist so lieb und macht noch eine Tour mit uns durch Pangkalan Bun. Bei einer Bootstour auf einem kleineren Fluss sehen wir eine Gruppe von Schülern, die sich gerade im Fluss wäscht. Wir sehen auch Männer, die sich am Ufer rasieren und Frauen, die sich die Haare waschen. Sie wirken vergnügt, teilweise winken sie mir zu. Wie man trotz der Armut so glücklich wirken kann, ist beneidenswert. Immer wieder freuen sich die Einheimischen uns und vor allem die Kinder zu sehen und wollen Fotos oder Selfies mit uns machen.

Szenenwechsel: Für uns geht es jetzt weiter nach Bali. Eine von mehr als 17.000 indonesischen Inseln!

 

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