Baaaaaaali


Home, Indonesien, Reise / Samstag, September 29th, 2018

Wir sind sofort begeistert von der indonesischen Insel. Ja, es ist touristisch und der Verkehr ein Wahnsinn… aber es ist soviel Spirit und positive Energie hier. Einfach schön. Einsaugen und genießen. Die erste Zeit verbringen wir um und in Canggu, einer Surfer Hipster Area im Südwesten der Insel. Es gibt viele westliche Cafés und Shops. Ehrlich gesagt, auch mal ganz angenehm, wenn man bereits seit mehreren Wochen im Osten ist. Hier sind Surfen, Party und Yoga

angesagt. Unser Lieblingsstrand ist der Batu Bolong Beach. Es ist zwar viel los, aber es gibt auch die besten Wellen. Die Burschen nehmen Surfstunden, ich mach Yoga. Die balinesische Massage ist noch viel besser als die Thai, weil sie etwas sanfter ist. Genau so habe ich es mir von dieser Reise gewünscht. Vor allem gibt es hier alles was das Yogaherz begehrt. Die Stunden sind sooo genial und das Angebot einfach phänomenal. Außerdem macht es in offenen Bambusstudios mit Meer oder Bananenplantagen im Hintergrund nochmal mehr Spaß, Yoga zu machen.

Nach einigen Tagen fahren wir weiter nach Sanur. Der Ort liegt auch am Meer, allerdings weiter östlich auf der Insel. Hier ist es wieder ganz anders. Nicht so hip wie in der Canggu Area. Das Meer ist ruhiger, auch weil Ebbe ist. Es gibt weniger Surfer, eher ältere Touristen und davon weniger. Es ist nett hier, aber auch nicht so spannend. Ich besuche eine Yoga Einheit einer Balinesin und würde am liebsten flüchten. In schlechtem Englisch und mit hoher Stimmer zieht sie beim Unterrichten die Laute in die Länge. Ich bin enttäuscht. Nach dem guten Unterricht in Canggu bin ich schon sehr verwöhnt, was Yoga auf Bali angeht. „Brrreeeeeeed into your daaaaaaaaaaaaaaaaaaaammmmmmmmmmyyyyyyyyyy, feeeeeeeeelll the eeeeneeeerggy in youuuuuur baaaaaaddi“ singt sie ihr Klagelied immer wieder wie ein Mantra. Ich beschließe, es anzunehmen wie es ist und das beste für mich herauszuholen. Schließlich geht’s darum ja auch beim Yoga …

Nach einer Nacht zieht’s uns weiter nach Ubud, dem Touristenmagnet auf Bali.

Ich muss sagen, die Stadt selbst ist schon sehr hektisch mit dem vielen Verkehr. Mit dem Auto zu fahren, ist quasi keine Option, weil es fast rund um die Uhr Stau gibt. Das ist sehr schade, denn Ubud und vor allem die Umgebung von Ubud gefallen uns echt gut. Die Landschaft ist einfach wunderschön! Sobald du aus der Stadt rausfährst, bist du inmitten der vielen saftig-grünen Reisfelder. Es sind so viele Kraftplätze. Wirklich genial. Und Ubud selbst ist das Raw Food-, Vegetarian-, Vegan- und Healthy Food- Mekka schlechthin! Für mich super, der Rest der family findets weniger toll… Hier kann man sich so gesund und glutenfrei wie sonst nirgendwo ernähren.

Wir chillen eine gute Woche im kulturellen Herzen Balis. Ich praktiziere viel Yoga. Meine Cousine hat mir das Radiantly Alive empfohlen. Dort gibt es wirklich fantastische Lehrer. Auch im Yoga Barn ist es fein, mir jedoch schon fast too much. Es ist wie eine eigene Stadt mit mehreren Studios, eigenen Wohneinheiten und einem eigenen Restaurant sowie Massage- und Wellnessbereichen. Es wirkt fast ein bißchen wie in einer Sekte, eine komplett eingeschworene Community. Und die, die Vinyasa Flow mit uns praktiziert, benimmt sich wie ein Engel auf Erden. Soviel Glückseligkeit ausstrahlend, dass ich ihr das einfach nicht mehr abnehmen kann.

Für Ubud Umgebung gibt es zig Ausflugsmöglichkeiten. Alle paar Meter ist in der Stadt ein Standl, bei dem sie einem die unterschiedlichen Touren verkaufen wollen. Wir entscheiden uns auch, einen Tag einen Fahrer zu nehmen und einige Touripunkte abzufahren. Mit dem Moped sind uns die Strecken einfach zu weit. Die Reisterrassen bei Tegalalang sind beeindruckend. Uns nervt allerdings, dass überall Unmengen an Urlaubern sind. Es ist heiß, die Kinder jammern. Und gefühlt alle paar Meter wollen sie erneut Geld, damit wir weitergehen dürfen. Offenbar gehören die Reisterrassen unterschiedlichen Familien, die alle extra Eintritt kassieren wollen. Generell herrscht unter den Einheimischen die Meinung, alle Touristen sind reich und haben viel Geld. Unser Fahrer erzählt mir, dass sie auch glauben, er habe viel Geld, wenn sie ihn mit uns mit dem Auto fahren sehen. Weil er ja in einem teuren Auto sitzt. Alle Reisfelder, an denen wir beim Rumcruisen mit dem Moped vorbeikommen finden wir wesentlich authentischer als diese bekannten Reisterrassen.

Der Pura Tirta Empul Tempel imponiert mir besonders. Er ist einer von neun Staatstempeln auf Bali und einer, bei dem es mehr Einheimische als Touristen gibt. Der Tempel ist vor allem wegen seiner heiligen Quellen bekannt. Nach hinduistischem Glauben bringt es geistige und seelische Reinigung, wenn man in dem Wasser badet. Ich geh natürlich auch mit den kids ins Wasser, allein schon deshalb, weil es so heiß ist. Beim Eingang haben alle einen Sarong bekommen, den man auch im Wasser umgewickelt lassen muss. Ehrlich gesagt stinkt das heilige Wasser und sehr viel von der Heilungskraft merke ich auch nicht. Trotzdem ist es ein besonderer Tempel und eine coole Erfahrung.

Unsere Unterkunft ist am Rand von Ubud. Jedes Mal wenn wir in die Stadt hineinwollen, müssen wir durch die immer gleiche megaverstaute Hauptstraße. Ein Teil davon ist eine Einbahn stadteinwärts. Beim Heimweg müssen wir also immer eine Riesenrunde machen. Allerdings hält sich niemand dran und alle, vor allem die Mopeds fahren gegen die Einbahn. So auch wir. An einem Abend steht die Polizei dort und kassiert ab. 500.000 Rupiah (ca. 30 Euro) wollen sie von jedem Touri. Einheimische werden klarerweise nicht abgestraft. Wir waren durchs Lesen von anderen Reiseblogs Gott sei Dank vorgewarnt und der Meinige hat nur 100.000 im Geldtaschel gehabt. Den Rest hat er woanders aufbewahrt. Die Beamten lassen ihn damit davonkommen. Glück gehabt. Bei allen anderen rundherum wird der volle Betrag abkassiert. In dem Fall ist es ja berechtigt. Allerdings soll die Polizei oft aus komplett fadenscheinigen Gründen Touristen Geldstrafen aufbrummen und man hat keine Chance dagegen. Man kann nur probieren, kaum Geld mitzuhaben und hoffen, dass man damit davonkommt. Ob man zu viert auf einem Moped sitzt und ob man mit oder ohne Helm fährt, ist in Indo aber komplett wurscht!

In Ubud wird die Religion und damit die Zeremonien so intensiv zelebriert wie sonst nirgendwo. Überall in der Stadt sind Tempel, sehr viele Häuser haben auch einen eigenen Haustempel. Ständig sieht man die Balinesen mit Opfergaben in ihren Sarongs zu einem Tempel huschen. Frauen, Männer und Kinder. Auch vor und in jedem Haus und jedem Geschäft oder Cafe werden immer kleine Schälchen mit Blumen und Reis, Zuckerln und Bananenscheiben geopfert. Ob dann jemand auf die Opfergaben draufsteigt, ist übrigens egal. Denn sobald es geopfert wird, steigt die Energie bereits zu den Göttern auf. Auch der Besitzer unseres Hotels überbringt jeden Tag 60 Körbchen in einer Art Zeremonie den Göttern. Dazu gibts Räucherstäbchen und jede Menge Blüten und unverständliches Gemurmel. Seine Mitarbeiter räumen dann rund eine Stunde später den ganzen Mist wieder weg.

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