Die Anreise nach Laos verläuft ganz gechillt. Von Chiang Rai (im Norden Thailands)
nehmen wir den Bus nach Huay Xai. Am Checkpoint lässt uns der Busfahrer jeweils aussteigen, wartet und nimmt uns danach wieder mit. Das Visum für Laos kann allerdings tatsächlich nur in US Dollar bezahlt werden. Jedoch kann man an der Grenze recht einfach Geld wechseln, also alles ziemlich geschmeidig. Von Huay Xai habe ich keine große Erwartung. Dafür bin ich dann umso mehr positiv überrascht. Natürlich, die Unterkünfte sind einfach, aber die Menschen sind alle sehr zufrieden und glücklich und wir treffen jede Menge Leute, die die gleiche Route haben
wie wir: mit dem Slow Boat zwei Tage auf dem Mekong nach Luang Prabang, angeblich einer der schönsten Städte Laos‘. Auf diversen Blogs lesen wir, dass es wichtig ist, Tickets im vorderen Teil des Bootes zu bekommen, da es weiter hinten immer lauter wird wegen des Motors. Wir bekommen Plätze relativ weit vorne. Als wir zum Boot kommen, ist allerdings bereits die Sitzordnung durcheinandergewirbelt und jeder sitzt, wo er will. Das Boot füllt sich immer mehr. Als alle irgendwo
einen Sitz haben, fahren wir los. Am ersten Tag sind wir rund sechs Stunden unterwegs. Die Fahrt ist relativ kurzweilig. Wir treffen auch Deutsche, mit denen wir schon die Einreise nach Laos im Bus gemeinsam gemacht haben. Außerdem quatscht man auf so einem Boot sowieso mit jedem – so vergeht die Zeit schneller. Es sind vor allem Franzosen, Deutsche und Holländer auf dem Boot. Am meisten Spaß habe ich mit Yasmin aus Israel. Ab und zu sieht man Elefanten am Flussufer. Oder man kann Laoten beim Angeln beobachten. Immer wieder sind auch Kinder am Fluss. Sie freuen sich über unser Boot und winken. Sehr viel Abwechslung gibt es hier wohl auch nicht.
Ich versuche während der Fahrt so wenig wie möglich zu trinken, um nur höchstens einmal aufs Bootklo zu müssen. Gott seid Dank kommen wir relativ pünktlich bei unserem Ziel für den ersten Tag an. Es ist noch hell, als das Boot in Pakbeng anlegt. Als wir endlich unsere dreckigen Rucksäcke vom hinteren Teil des Bootes ergattert haben, werden wir am Ufer von der Hotelbesitzerin abgeholt. Wir beziehen unsere Zimmer und machen einen Rundgang durchs Dorf. Hier bleiben die Touristen in der Regel nur für eine Nacht. Alles ist relativ teuer. Wir finden einen Inder, bei dem wir ganz gut essen. Dann gehen wir bald schlafen. Obwohl wir den ganzen Tag nur gesessen
sind, sind wir geschlaucht. Am nächsten Tag müssen wir früh raus, denn das Boot legt um neun Uhr ab. Wer einen guten Sitzplatz haben will, muss früh dort sein. Das Boot ist nicht mehr das gleiche wie am Vortag. Es ist kleiner, obwohl noch mehr Einheimische als am Vortag mitfahren. Wir sind kurz nach acht da und bekommen noch Sitzplätze. Doch die, die knapp kommen, haben wirklich Pech. Weil das Boot so überfüllt ist, werden im Motorenraum Plastikstühle aufgestellt. Die Franzosen, die am Vortag feiern waren, müssen neben dem lauten Motor ohne Tageslicht sitzen. Und das für fast acht Stunden. Denn die Fahrt am zweiten Tag ist länger als am ersten.
Generell wird in asiatischen Ländern jeder Bus, jedes Boot und jedes andere Transportmittel überbucht. Dann wird mal geschichtet, gestanden, gestapelt und wenn alle Stricke reißen, fährt man halt woanders mit. Dieses Prozedere gibt es vor jeder Abfahrt. Zuerst ist also immer mal Aufruhr, Durcheinander und Umordnen. Man fährt somit fast immer später ab, als geplant. Je nachdem, wie lang es dauert, eine Lösung zu finden. Und zu jeder Zeitangabe, wie lange eine Fahrt dauert, muss man immer ein oder zwei Stunden dazurechnen, um auf die tatsächliche Reisedauer zu kommen. Am zweiten Tag am Boot regnet es immer wieder und dadurch, dass wir so eng sitzen und teilweise Laotinnen auf meinen Füßen sitzen, sind wir echt froh, als wir endlich in Luang Prabang ankommen. Also nicht direkt in der Stadt, sondern ein paar Kilometer davon entfernt. Auch das ist typisch. Denn meist werden Touristen nicht direkt zum Ziel gebracht, sondern nur in die Nähe, damit auch die Tuk Tuk- Fahrer vor Ort noch ein Geschäft machen können.
Wir bleiben vier Nächte in Luang Prabang. Die Stadt ist geprägt von den Franzosen, denn Laos war früher eine französische Kolonie. Die Kinder und der Meinige freuen sich, denn überall gibt es Baguettes zu kaufen. Neben dem vielen Reis eine willkommene Abwechslung! Auch in unserem Guesthouse gibt es jeden Tag zum Frühstück knusprige Baguettes. Außerdem gibt es einen Babyhund und einen Tischfußballtisch! Die kids sind begeistert!
Luang Prabang ist Weltkulturerbe und das zurecht. In der Altstadt gibt es viele alte
bezaubernde Häuser aus der Kolonialzeit, ganz untypisch für eine asiatische Stadt. Das historische Zentrum liegt eingebettet zwischen dem Mekong und dessen Nebenfluss Nam Khan. Jedes Jahr bauen die Laoten zum Beginn der Trockenzeit Bambusbrücken über den Nebenarm des Mekong. Wir sind zum Ende der Regenzeit da und die Brücken sind gerade kurz vor der Fertigstellung. Für die Einheimischen sind sie sehr wichtig, da sie eine der wenigen Möglichkeiten sind, über den Fluß zu kommen. Zum Ende der Trockenzeit werden die Brücken wieder abgebaut. Dann kann man nur mehr mit dem Boot über den Nam Khan.
Außerhalb der Stadt ist es sofort grün. Laos ist sowieso das grünste aller asiatischen Länder, in dem wir bisher gewesen sind. Die Bäume stehen ganz dicht. Leider kann man nicht einfach draufloswandern, denn es gibt keine markierten Wanderwege und es sind
vom Krieg noch viele Gebiete vermient. Und außerdem ist es von früh bis spät brütend heiß.
Einmal fahren wir in den Nam Dong Park, ein Nationalpark in der Nähe Luang Prabangs. Gemeinsam mit zwei Wienerinnen buchen wir uns einen Minivan. Der Park ist weniger bekannt und deshalb im Gegensatz zu vielen anderen Ausflugszielen noch nicht so touristisch. Man zahlt ein wenig Eintritt und kann einen Fluss mit Wasserfall entlangwandern. Außerdem gibt es einen Canopy-Walk (Brücke durch die Baumwipfel des Waldes). Den Buben taugt es in zig Metern Höhe durch den Nationalpark zu flitzen. Und ich sehe meinen ersten Limettenbaum live mitten im Wald! Wir ernten sogar Früchte und peppen damit später unser Wasser auf.
Am Tag darauf schauen wir uns den Kuangsi Wasserfall an. Wirklich ein Highlight und bestimmt einer der schönsten Wasserfälle Asiens. Allerdings sind Horden an Menschen da. Wir schaffen es aber ganz gut das auszublenden, denn der Wasserfall ist wirklich gigantisch.
Auf mehreren Ebenen gibt es Wasserbassins mit türkisem glasklaren Wasser. Das Wasser ist eiskalt und die perfekte Abkühlung bei der Affenhitze. Wir wandern auch den Wasserfall entlang hinauf. Oben sind viel weniger Menschen und es gibt weitere Naturbadewannen – sogar mit Schaukeln.
Alles in allem sind irrsinnig viele Urlauber in Laos. Und obwohl es eines der ärmeren Länder Südostasiens ist, ist es für Touristen im Vergleich zu Thailand gar nicht so günstig.
Uns gefällt Luang Prabang, aber es ist für mich sicher nicht die schönste Stadt Asiens.
Als nächstes fahren wir nach Vang Vieng. Die Stadt liegt weiter im Süden, Richtung Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Früher war Vang Vieng die Partystadt von Laos, doch davon ist heute nicht mehr viel übrig.
Alle Touristen werden mit Minivans von A nach B transportiert. Die Straßen sind nur teilweise asphaltiert, es gibt viele Schlaglöcher. Deshalb brauchen wir für die Strecke von 180 Kilometern rund sechs Stunden. Und je weiter hinten man im Bus sitzt, desto aufregender ist die Fahrt. Je nachdem wie rasant der Fahrer unterwegs ist, kann es schon passieren, dass man bei manchen Schlaglöchern mit dem Kopf an die Decke des Busses stößt.
Die Stadt Vang Vieng selbst ist nicht besonders attraktiv, doch das Umland ist, wie überall
in Laos, wunderschön. Wir borgen uns Fahrräder aus und fahren zu einem Hügel etwas außerhalb. Dort muss man gefühlt mehrere hundert Höhenmeter hinaufkraxeln. Oben angekommen wird man mit einem tollen Ausblick belohnt. Wir sind allerdings danach komplett erledigt. Sowas machen wirklich nur die verrückten Touristen. Die Laoten sitzen im Schatten und genießen das Leben!
Von Vang Vieng geht’s nach zwei Tagen weiter nach
Vientiane. Laos‘ Hauptstadt liegt in etwa in der Mitte des Landes, ganz nahe zur thailändischen Grenze. Sie ist ziemlich dreckig und aufgrund der Hitze sind wir ziemlich gerädert. Trotzdem ist es in der Hauptstadt besser als wir von vielen gehört haben. Ich denke, die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren ziemlich gewandelt. Es gibt nette Cafés und auch die Hauptstraße mit den Tempeln gefällt uns gut. Auch hier haben die Franzosen ihre Spuren hinterlassen. Es gibt sogar einen kleinen Bruder des Triumphbogens von Paris, allerdings in sehr abgespeckter Form.
In einem Tempel spricht mich ein Mönch an. Er
kann ziemlich gut Englisch, ist allerdings noch ein Novize. Ich bin ziemlich überrascht, als er plötzlich ein Ipad hervorkramt und mir im Tempel einen Hotspot für mein Handy gibt, damit wir unsere social media Kontaktdaten austauschen können. Jedenfalls habe ich jetzt einen facebook-Freund, der Mönch ist!
Auf unserer gesamten Laos-Reise treffen wir immer und immer wieder Leute, mit denen wir gemeinsam die Slow Boat-Fahrt auf dem Mekong gemacht haben. Egal in welches Restaurant wir gehen oder in welchen Minvan wir steigen – immer sehen wir bekannte Gesichter und freuen uns über das Wiedersehen. Gerade wenn man so weit weg von zu Hause ist, merkt man erst, wie schön es ist, Leute zu treffen, die man kennt… auch wenn es nur flüchtig ist.
Selbst im Flugzeug nach Vietnam treffen wir eine Holländerin, die uns durch ganz Laos begleitet hat und die wir ursprünglich aus Indonesien kennen!
Als nächstes werde ich mich aus Hanoi melden!
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