Hanoi


Home, Reise, Vietnam / Freitag, November 23rd, 2018

Vietnam liebt man oder nicht! Wir gehören zu den ersteren und fühlen uns von Anfang an wohl in diesem Land. Von Laos kommend landen wir in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams. Sie ist mit rund sieben Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Saigon oder Ho Chi Minh City im Süden, die ehemalige Hauptstadt von Südvietnam, ist noch um einiges größer.

Bereits Hanoi ist wahnsinnig busy und der Verkehr einfach irre. Am Anfang schaffen wir es fast gar nicht, die Straße zu überqueren, weil der Strom an Mopeds, die von allen Richtungen kommen, einfach nie aufhört. Die Mopeds rasen vor, hinter und neben einem vorbei. Keiner stoppt. Wenn wir als

Familie ganz dicht nebeneinander gehen, fahren sie trotzdem zwischen uns und den Kindern durch. Es ist wirklich Abenteuer pur. Viele fahren mit Mundschutz und es gibt sogar Atemschutzmasken mit unterschiedlichen Motiven.

Wir wohnen direkt in der Altstadt und genießen es, einfach durch die Straßen zu schlendern und das quirlige Leben zu beobachten. Reich und arm sind so nah beieinander, dass man den

Unterschied aufs Erste gar nicht so schnell sieht. Bereits im Morgengrauen sind die Marktfrauen auf ihren Fahrrädern unterwegs und bieten ihre Waren an. Mitten auf der schmalen Straße vor unserem Hotel liegen Fisch oder Schweinefleisch offen auf den Bastkörben ausgebreitet und die Bewohner erledigen ganz kommod ihre Einkäufe. Auch in Vietnam wird rund um die Uhr gegessen. Überall in der Stadt stehen kleine Plastikstühle mit

Plastiktischen. Bei uns wären es Kindermöbel. Hier ist es die ganz normale Gastro-Sitzgarnitur für alle. Die, die arbeiten und keine Zeit haben, um selbst zu kochen, essen am Straßenrand ihr Frühstück: die Pho. Schon in der Früh wird Fisch oder Fleisch in die vietnamesische Suppe gegeben. Immer am Tisch: Frische Kräuter in extra Schalen zum Würzen.

In Hanoi gibt es viele kleine Seen, die sich vom Roten Fluss, ein dicker Strom, der etwas außerhalb des Zentrums verläuft, abgeleitet haben. Dadurch gibt es in der doch sehr stressigen Stadt immer wieder Erholungsflächen und ruhigere Flecken. Und am Wochenende ist um den See in der Altstadt Fahrverbot! Pünktlich ab Freitag 19 Uhr wird es angenehm leise. Ab jetzt gehört die Straße den Kindern, Joggern, Tanzgruppen und allen, die sich nach ein bisschen Ruhe sehnen. Immer wieder treten Straßenkünstler oder Musiker auf. Die Hanoier sind in Wochenendstimmung. Überall leuchten die Lichter. Ohne das nervige Gehupe der vielen Mopeds ist die Atmosphäre am See wirklich toll.

In China und somit auch in Vietnam boomt übrigens gerade ein Spielzeug: eine Feder mit kleinen Scheiben aus Plastik oder Metall, die man mit dem Fuß oder der Hand in die Höhe wirft. Viele Burschen und Männer spielen das Spiel auf den Straßen. Auch meine Jungs sind mittlerweile schon richtig gut darin und immer wieder wollen Vietnamesen mit ihnen gemeinsam spielen.

Weil Alma keine Feder hat und traurig ist, schenkt ihr eine andere Mutter von einem der Verkaufsstände am See einfach so eine „dragonfly“, ein Spielzeug aus Bambusholz. Man muss den Kopf der Fliege so lange wie möglich auf einem Finger balancieren. Uns allen taugt dieses kleine Spielzeug. Und wieder einmal bin ich gerührt über die Freundlichkeit und Empathie der Asiaten. (Obwohl wir in Vietnam auch ein paar Mal wirklich unangenehme Erfahrungen machen, aber dazu mehr an anderer Stelle.)

Die Vietnamesen sind nicht so religiös und zeremoniell unterwegs wie wir es in den Nachbarländern erlebt haben. Sie haben Godfathers und Godmothers, die sie verehren. Einmal führen uns liebe Studenten der Organisation hanoikids durch die Stadt. Sie erzählen, dass ihre Eltern zweimal im Monat in den Tempel gehen, die jungen Leute aber tendentiell nicht. Hanoikids ist übrigens eine super Sache. Junge Leute begleiten Touristen kostenlos durch die Stadt, um ihre Englisch-Kenntnisse aufzupeppen. Ngat und Viet holen uns vom Hotel ab und machen eine Tour durch Hanoi mit uns. Dabei gehen wir auch in ein altes Gefängnis, das heute ein Museum ist. Wir erfahren viel über den Vietnamkrieg und die Geschichte des Landes. Ein Großteil der vietnamesischen Bevölkerung ist sehr jung. Sie haben den Krieg nicht live miterlebt und scheinen davon auch nicht belastet zu sein. Die beiden Studenten erzählen auch viel vom Alltag und dem Leben in Vietnam. So fleißig wie die beiden sind aber nicht alle beim Englisch-Lernen. Manche Vietnamesen können überhaupt kein Wort Englisch. Speziell beim Essengehen ist das wirklich eine Challenge beziehungsweise oft eine große Überraschung. Denn nicht immer gibt es internationale Menükarten, sondern die Gerichte sind nur auf vietnamesisch angeschrieben.

Einmal laufen wir an einer Straßenecke nahe unseres Hotels in eine andere Familie aus Kanada. Stephanie und David reisen auch mit drei Kindern ein halbes Jahr in der Weltgeschichte herum. Es ist die erste Familie mit soviel kids, die wir auf unserer Reise kennenlernen, die auch eine längere Auszeit machen! Wie cool ist das! Wir tauschen Kontakte aus und treffen uns am nächsten Nachmittag.

 

Kulinarisch lässt Vietnam in Sachen Experimentierfreudigkeit nichts zu wünschen übrig. In den Restaurants werden etwa Frosch, Schildkröten oder Hundefleisch angeboten. Für mich ist das nichts, am liebsten ess ich vegetarisch. Der Kaffee jedoch ist super. Der Vietnamese Coffee (starker frischgebühter Kaffee) schmeckt schon mal echt gut. Dann gibt es noch einen Egg Coffee: dafür wird Eidotter mit Instant-Milch schaumig gerührt und wie beim Cappucino auf den Kaffee gegeben. Mein Favourite ist allerdings der Coconut-Coffee: Kaffee mit Kokoseis. Wenn es heiß ist, ist der echt ein Hit!

Ebenfalls ein guter Trend in Hanoi ist das Bia Hoi. Das frischgebraute Bier wird an der Straßenecke um 5000 Dong (ca. 20 Cent)  das Glas angeboten. Es schmeckt wirklich gut. Allerdings ist das Angebot begrenzt, denn das Bier hält nur einen Tag. Deshalb wird auch nur eine kleine Menge gebraut. Beliebt ist in Vietnam auch das Hotpot-Essen. Man bekommt einen Grill und dazu jede Menge Schüsseln mit Fleisch, Gemüse und Saucen. Dann grillt man sich selbst sein Essen, wie man es möchte. Die Asiaten stehen irrsinnig darauf und können stundenlang dabei sitzen.

Auch wenn die jungen Vietnamesen ihr eigenes Ding machen, wird der ehemalige Revolutionär und kommunistische Parteiführer Ho Chi Minh nach wie vor verehrt. Im Mausoleum ist die einbalsamierte Leiche des Führers aufgebahrt. Stundenlang muss man sich anstellen, um 30 Sekunden lang einen Blick auf ihn zu werfen. Fotografieren verboten. Alles wird streng bewacht. Wir finden das alles spooky. Das Gebäude ist aber wirklich eindrucksvoll. Besonders in der Nacht wird es toll beleuchtet. In der Nähe davon befindet sich gleich der Literaturtempel, auch eine eindrucksvolle Anlage.

 

Auch den kids taugt es, durch die Straßen Hanois zu streifen. Ab und zu ein Fanta oder ein Eis und sie machen fast alles mit! Gut gefällt es ihnen etwa bei der sogenannten Train Street. Das ist eine schmale Straße, auf der sich ganz normal das Leben und der Alltag abspielt. Mit zwei Ausnahmen am Tag: wenn der Zug durchfährt.

 

Nach ein paar Tagen zieht’s uns weiter in die berühmte Halong Bay! Stay tuned!

 

 

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